Wie ich in einem Jahr fließend Thai lernte

Zuletzt aktualisiert: 27. Februar 2018 | in Lerne Thai

Ich lebe heute seit einem Jahr in Thailand! Natürlich war ich zuvor schon einige Male hier zum Reisen, aber das vergangene Jahr war völlig anders, weil ich die ganze Zeit in Bangkok gewohnt habe, sodass ich wirklich in das Leben der Einheimischen eintauchen konnte und ja, ich schaffte es sogar Thai zu lernen und darin fließend sowohl im Sprechen als auch im Schreiben zu werden.

Ich sage nicht, dass mein Thai jetzt perfekt ist, aber eine normale Unterhaltung ist kein Problem mehr. Ich kann im Prinzip zu einem beliebigen Thai auf der Straße hingehen und mich mit ihm (oder ihr) über’s Leben unterhalten. Oder meinen gebratenen Reis mit einem extra Spiegelei obendrauf in einem Straßenrestaurant bestellen. Oder eine Thai Studentin zum Abendessen einladen.

In diesem Beitrag zeige ich dir, wie ich es gemacht habe, und vielleicht inspiriert es dich auch Thai zu lernen, denn:

Thai lernen ist nicht einfach, aber auch nicht so schwierig, wie die meisten Ausländer glauben.

Ich denke, viele Ausländer (vor allem die Männer), die in Thailand mehrere Jahre lang leben, scheitern daran richtig Thai zu lernen, weil es immer so viele andere verlockende Angebote und Freizeitaktivitäten gibt, dass sie sich einfach nicht disziplinieren können und stattdessen ihre Zeit genießen, anstatt jeden Tag und für mehrere Monate strikt Thai Vokabeln in ihrem Apartment zu lernen.

Thai hat fünf Töne (im Vergleich dazu: Chinesisch hat vier) und wenn du sie nicht richtig draufhast, verstehen die Leute einfach nicht, was du sagen willst. Bei mir hat es ungefähr sechs bis sieben Monate gedauert, bis ich die Töne ohne Probleme „intus“ hatte. Am schwierigsten fand ich (und finde ich nach wie vor) den hohen Ton, der sich etwas ähnlich wie der steigende Ton anhört, aber das Wichtigste ist einfach immer wieder zuhören und wiederholen (laut aussprechen).

Ja, das Zuhören. Du musst wirklich deine Ohren immer und überall offen haben – in der Metro, in der Arbeit und versuche am besten auch im 7-Eleven zu verstehen, was die Mädels sagen (wobei sie da manchmal auch im Isaan-Dialekt sprechen, was fast eine andere Sprache ist).

Zurück zu den beiden schwierigsten Dingen beim Thailändisch Lernen: Ich denke, es gibt nur zwei Dinge, die in den ersten paar Monaten schwierig sind:

  • Die Tonart (niedrig, mittel, hoch, steigend, fallend)
  • Die Vokallänge (kurz und lang)

Die Grammatik ist eigentlich ziemlich einfach, oder anders gesagt: Es gibt nicht sonderlich viel zur Grammatik zu wissen, denn Verben werden nicht konjugiert, nicht für Singular und Plural, und auch nicht für die verschiedenen Zeiten. Man weiß, ob etwas in der Vergangenheit passiert ist, indem man einfach das Wort für gestern oder letzte Woche im Satz mit unterbringt. Und selbst wenn du das nicht tust, verstehen dich die Leute meistens aus dem Kontext. Oder du fügst einfach das Wort lɛ́ɛo (แล้ว – bereits, schon) ans Satzende, das die Thais einfach lieben und so häufig verwenden, wenn sie von Dingen sprechen, die schon passiert sind, oder Dinge, die sie schon getan haben.

Um ehrlich zu sein, habe ich in den ersten drei Monaten hier gar kein Thai gelernt. Aber sobald ich wusste, dass ich noch ein zweites Praktikum machen würde und somit für ein ganzes Jahr in Thailand leben würde (mindestens), dachte ich mir, dass es sich doch lohnen würde, auch die Sprache zu lernen. Ich wollte einfach nach so einer langen Zeit nicht zurück nach Deutschland gehen und gerade mal dieselben Standard-Phrasen draufhaben, die die meisten Backpacker während ihres 3-wöchigen Trips hier lernen. Ich war mir sicher, dass es die wichtigste Fähigkeit ist, um wirklich zu verstehen, wie die Thais denken, und was es mit ihrer Kultur und all ihren Gewohnheiten auf sich hat.

Wie habe ich in nur einem Jahr fließend Thai gelernt?

Nicht nur andere Farangs, sondern auch Thais fragen mich oft, warum mein Thai nach nur einem Jahr hier so gut ist (und ich genau genommen erst seit 9 Monaten richtig lerne). Und wie ich es gelernt habe. Nun, zuerst und am wichtigsten:

Ich bin zu keiner Sprachschule gegangen, sondern habe mir Bücher gekauft und im Selbststudium gelernt.

Ich denke, du brauchst wirklich kein Geld für teure Sprachkurse auszugeben um richtig Thai zu lernen, wo du nach ein paar Wochen womöglich eher weniger motiviert bist als zuvor.

Ich denke, ich hatte Glück, einfach ein richtig gutes Buch namens „Thai for Beginners“ von Benjawan Poomsan Becker zu finden, das sich als das perfekte Lernmittel herausstellte. Hervorragend strukturiert mit 10 Lektionen, jede davon mit Vokabeln, Sätzen, Grammatik und Übungen. Man lernt darin auch in einem sehr systematischen Weg, thailändisch zu lesen und zu schreiben. Ich bin wirklich glücklich, dass ich auf dieses Buch gestoßen bin. Ich habe jede Woche eine Lektion gemacht – und konnte auch richtig meinen Fortschritt in Thai nach jeder Woche, nach jeder Lektion, spüren.

Wie ich Thai lernte 2

Es stellte sich heraus, dass das Beginners Buch zwei Nachfolgeeditionen hat: „Thai for Intermediate Learners“ (mit ebenfalls 10 Lektionen) und „Thai for Advanced Readers“ (mit längeren Texten zu allen möglichen Themen, sogar der Nationalhymne, Zeitungsartikel, thailändischen Liedern und Redewendungen). Jede Edition gibt es mit 2 CDs, und ich fand es extrem hilfreich und effektiv, alle Texte im Buch auch anhören zu können.

Natürlich habe ich nicht nur mit diesen Büchern alleine in meinem Zimmer gelernt. Ich hatte sie immer in meiner Tasche und versuchte, das neu Gelernte bei den Leuten anzuwenden, die ich tagsüber so traf (hauptsächlich Mädels).

Zusätzlich habe ich mir auch ein Buch für Grundschüler besorgt, um das Thai Alphabet zu üben, damit meine Schrift von Anfang an korrekt und klar aussieht:

Wie ich Thai lernte 3

Ich hatte auch ein Notizbuch, in dem ich Textpassagen aus den Büchern abschrieb. Man sieht richtig, wie sich meine Schrift über die Monate immer mehr verbessert hat. Der Trick ist, am Anfang die Schriftzeichen relativ groß zu schreiben, und sobald du gut darin bist, immer etwas kleiner zu werden – was schwieriger ist.

Wie ich Thai lernte 4

Das Schöne am thailändisch Lernen ist, dass obwohl du am Anfang natürlich noch ziemliche Probleme hast, die Töne richtig auszusprechen, die Einheimischen dir immer helfen und dich motivieren.

Allerdings verbessern sie dich nicht immer und achten nicht penibel darauf, dass du auch wirklich alles korrekt aussprichst, und deswegen habe ich mich nach vier Monaten Selbststudium dazu entschieden, mir eine private Tutorin zu nehmen, hauptsächlich um das Sprechen und Hören zu üben und um sicherzustellen, dass sie mich verbessert und meine Betonung korrigiert. Ich fand sie auf Craigslist Thailand, wo sie einen Post zu ihrem Thai Freelance Teaching hatte.

Wie man Thai lerntSie heißt Bim und wir trafen uns einmal die Woche in einem Cafe in einer Shopping Mall für 2 Stunden, ich habe sie nach jedem Treffen bar bezahlt. Abgesehen vom Üben der Unterhaltungen und der Aussprache, hat sie mir auch viele andere nützliche Phrasen und grammatische Strukturen beigebracht, die nicht in meinen Büchern erwähnt wurden. Manchmal fielen ihr auch veraltete Wörter im Vokabelteil auf und zeigte mir die richtigen, gebräuchlicheren Wörter. Ich nahm ihre Lektionen für ungefähr zehn Wochen, und es war einer super Ergänzung zu meinem Selbststudium nur mit den Büchern.

Wenn du Interesse an Lessons mit Bim hast, kannst du ihr auf ihrer Facebook Seite eine Nachricht senden.

Wie ich Thai lernte 5Als ich mit den Büchern mehr oder weniger fertig war und keine Tutor Lessons mehr nahm, fing ich einfach damit an, neue Wörter auf der Notiz-App meines Smartphones aufzuschreiben. Ich benutze diese Notizen oft auch als Hintergrundbild, denn so prägen sich die Wörter noch besser ein, weil ich ja tagsüber mehrere Male drauf schaue.

Sobald ich ein bestimmtes Wort „verinnerlicht“ habe, ersetze ich es einfach mit einem neuen.

Wie geht’s weiter?

Obwohl ich mittlerweile ziemlich frei und selbstbewusst irgendeine Art von Unterhaltung auf Thai beginnen kann, gibt es natürlich immer noch sehr viele Wörter und nette Redewendungen zu lernen. Ich werde also auch weiterhin neue Wörter auf meinem Smartphone aufschreiben und einfach so weitermachen. Es ist immer ein schönes Gefühl, wenn ich zu Thais auf Thai spreche und sie völlig überrascht, ja fast schon aus dem Häuschen sind – denn wenn die Thais einen Farang sehen, dann erwarten sie nie, dass er Thai spricht, geschweige denn, dass er auch noch lesen und schreiben kann.

Und was in Zukunft auch noch richtig interessant wäre, ist die Isaan Sprache zu lernen. Aber mal schauen, das sind momentan eher nur Gedankenspiele. Ich kann jetzt Thai sprechen, und das ist wunderbar.

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!

avatar